Was spricht für unsere Forderungen?
Ein freies, von der Wirtschaft unabhängiges Bildungssystem ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Die Ökonomisierung von Forschung und Lehre muss überwunden werden. Wir fordern Bildung statt Ausbildung!
1. Freier Zugang zu allen universitären Studien
- Keine Beschränkung von Bachelor- und Masterstudien und PhD-Programmen
- Zugangsbedingungen kurieren die Symptome, aber nicht die Krankheit. Es fehlt an Kapazität (vordergründig Lehrpersonal).
- Einstiegsprüfungen widersprechen dem Ideal der freien Bildung (freie Bildung ist ein Menschenrecht) und behindern die freie Studienwahl.
- Einstiegsprüfungen haben keine Aussagekraft über Fähigkeiten und Kompetenzen.
- Durch die Beschränkung der Master-Studien droht die Teilung in wenige hochwertige Elite- und einen kostengünstigen Massen-Master.
- Eine Beschränkung der Bachelor-, Master-, PhD-Programme steht im Widerspruch zu einer wissensbasierten Gesellschaft.
- Keine Studiengebühren oder sonstige finanzielle Hürden im Rahmen des Studiums
- Studiengebühren führen zu sozialer Selektion, besonders betroffen sind sozial schwächere und kinderreiche Familien.
- Studiengebühren bedeuten einen administrativen/finanziellen Mehraufwand und machen nur knapp ein Zehntel des Budgets der KF-Uni Graz aus. Durch den Entlass der Universitäten in die Autonomie (UG 2002) muss die Universität Gebäudemiete (Uni Graz: zweistelliger Millionenbetrag) an die BIG bezahlen. Hierfür wurden und werden die Studiengebühren zweckentfremdet.
- Einfacher Wechsel zwischen Studien und Universitäten innerhalb Europas
- Der einfache Wechsel innerhalb der Universitäten Europas erweitert den Horizont der Studierenden und trägt maßgeblich zur europäischen Integration bei.
- Mobilität wird zwar im Zuge des Bologna-Prozesses gefordert, wird aber de facto durch die Verschulung im Bachelor behindert.
2. Verbesserung der Studienbedingungen
- Einrichtung zusätzlicher Professuren
- Ausreichend Lehrveranstaltungen mit
beschränkter TeilnehmerInnenzahl
Unzählige Lehrveranstaltungen (nicht nur Vorlesungen, auch Seminare) sind maßlos überfüllt. Wir fordern ein ausreichendes Angebot an Lehrveranstaltungen (Anmietung von Lehrsälen, Aufstockung des Lehr- und Forschungspersonals).
- Angemessene Ausstattung (Beamer,
Kopierer,...)
Viele Lehr- und Arbeitsräume sind unzeitgemäß ausgestattet und entsprechen nicht den Anforderungen einer modernen Didaktik. Beispielsweise fehlen in vielen Hörsälen Computer und Beamer, wodurch ein zeitgemäßer Unterricht nicht möglich ist.
- Aufstockung der Fachbibliotheken
Wir fordern den Ankauf von wissenschaftlicher Literatur und Datenbanklizenzen um wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen. Außerdem fordern wir eine Aufstockung des Kontingents an Standardwerken für die Lehre in den Bibliotheken, um allen Studierenden den Zugang zur notwendigen Literatur zu gewährleisten.
- Kostenlose Aneignung von Zusatzqualifikationen
Soft Skills wie Sprachen sind in der heutigen Zeit eine Voraussetzung um wettbewerbsfähig zu bleiben. An der Uni Graz werden die meisten Sprachkurse jedoch nur mehr kostenpflichtig angeboten.
- Räume für Gruppenarbeiten
Es steht zu wenig Platz für Studierende zur Verfügung um sich auf Referate, Seminare, Prüfungen oder Diskussionen vorzubereiten.
- Längere Übergangsfristen bei Studienplanumstellung
Für Studierende, die bei einer Studienplanumstellung im alten Studienplan verbleiben, verlängert sich aufgrund von mangelhaften Rückrechnungslisten oft die Studiendauer. Gleichzeitig werden sie nach einer bestimmten Frist in den neuen Studienplan zwangsumgestellt, was zu einem weiteren Zeitverlust führt, da sie Lehrveranstaltungen nachholen müssen. Deshalb fordern wir bessere Rückrechnungslisten und eine generelle Verlängerung der Übergangsfrist um ein Semester bei allen Studienplanumstellungen.
3. Demokratisierung der Universität
- Wiederaufwertung des Senats
Der Senat als oberstes demokratisches Gremium der Universität muss wieder das Recht bekommen den Rektor zu wählen, über das Budget der Universität zu befinden und in Personalfragen eingebunden werden. Die Verschlechterungen durch das UG 2002, durch die dem Senat weitere Kompetenzen entzogen wurden und der Anteil studentischer Mitglieder reduziert wurde, müssen zurückgenommen werden.
- Mehr studentisches Mitspracherecht im Senat, an Fakultäten und Instituten
Die Entscheidungen des Unirats werden häufig ohne Rücksicht auf den Interessenausgleich zwischen allen Universitätsangehörigen getroffen, vielmehr werden politische und wirtschaftliche Anliegen durchgesetzt.
Der Universitätsrat ist vergleichbar mit dem Aufsichtsrat einer Kapitalgesellschaft. Er besteht an den meisten Universitäten aus Industriellen und Protegés politischer Parteien. Er ist nicht demokratisch legitimiert und den Angehörigen der Universität nicht zur Rechenschaft verpflichtet.
- Einbindung der Studierenden bei unirelevanten
Gesetzesentwürfen
Die Universitätsreformen des vergangenen Jahrzehnts wurden ohne Ausnahme rücksichtslos gegen den Willen der 300.000 österreichischen Studierenden durchgesetzt. Studierende haben auf ihre Bildung mehr Einfluss verdient als ihnen nicht demokratisch gewählte, uniferne Mitglieder des Unirates zugestehen wollen.
- Beteiligung aller Universitätsangehörigen an der Budgeterstellung und Gebarung der Universität
Bis vor wenigen Jahren wurde das Budget der Universität und ihrer Organisationseinheiten durch demokratisch gewählte Gremien beschlossen, in denen alle Universtätsangehörigen - auch die Studierenden - vertreten waren. Es ist absurd, dass die größte Gruppe der Universitätsangehörigen, die Studierenden, keinerlei Einfluss darauf hat, wie die Universität ihre Mittel einsetzt.
- Transparenz (z.B. bei Auslagerung universitärer Einrichtungen)
Den Universitäten kann nicht gestattet werden, wesentliche Aufgaben durch die Gründung von ausgelagerten Subfirmen durchführen zu lassen, deren Gebarung der demokratischen Kontrolle und dem Einfluss der Studierenden und der anderen Universitätsangehörigen vollkommen entzogen ist.
4. Selbstbestimmtes Studieren
- Möglichkeit der interdisziplinären Schwerpunktwahl und individueller Vertiefung
Raum für eigene Interessen fördert Selbstständigkeit und ist ein wichtiger Teil akademischer Bildung. Dies trägt zur Erreichung einer mündigen Gesellschaft bei. Studien dürfen keine vorgefertigten Produkte sein!
- Gegen die Vereinheitlichung durch das Bachelor-/Master-System, soweit es die Qualität des Studiums vermindert
Nicht jedes Studium ist für ein Bachelor-/Master-System geeignet, beste Beispiele sind Medizin und Lehramt. Die Verantwortlichen jeder Studienrichtung sollten die Möglichkeit haben, die für sie passende Struktur zu wählen und sollen nicht gezwungen werden das Bachelor-/Master-System zu implementieren.
5. Schluss mit prekären Dienstverhältnissen an der Universität
- Angemessene Arbeitsverträge sowie Arbeitsbedingungen für alle Universitätsbediensteten
Aufgrund der finanziellen Lage schließt die Universität unseriöse Dienstverträge ab; beispielsweise werden SekretärInnen als freie DienstnehmerInnen unter schlechteren Bedingungen angestellt. Viele Lehrende werden in ungerechten, befristeten Kettendienstverhältnissen beschäftigt. Solche Dienstverhältnisse würden nach sechs bzw. acht Jahren in unbefristete Dienstverhältnisse umgewandelt werden, weswegen die Universitäten sie vor Ablauf dieser Frist nicht mehr erneuern.
- Aufstockung des Personals
- Durch die Aufstockung des Lehrpersonals können mehr Lehrveranstaltungen mit begrenzter TeilnehmerInnenzahl angeboten werden, was die Qualität der Lehre maßgeblich steigert.
- Rücknahme der Verwaltung in den Staatsdienst, um den Lehrenden die dringend benötigte Freiheit und Zeit für Lehre und Forschung zurückzugeben.
6. Schluss mit Diskriminierung
- Wir fordern eine 50-prozentige Frauenquote in allen Arbeitsbereichen des Bildungswesens auf allen Ebenen
Die Akademikerinnenquote in Österreich entspricht nicht der tatsächlichen Besetzung im Lehr- und Forschungspersonal an den Universitäten.
- Barrierefreiheit auf der Universität
Die Umsetzung der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung vollzieht sich schleppend und mit enormen bürokratischen Aufwänden für alle Betroffenen. Wir fordern eine Reduktion bürokratischer Hürden zur Verbesserung der Situation.